Buenas dias!
Ich schreibe diese Zeilen am anderen Ende der Welt. Mit Sand unter den Füßen, Meerblick und bei Sonnenaufgang. Schaue meiner lieben Frau zu, wie sie gerade ins Meer spaziert. Im Hintergrund zwitschern und schreien die Vögel, Affen und alles was sonst noch in den Wäldern Costa Ricas krabbelt, kriecht, keucht oder fleucht.
Sieh dir den Inhalt des Beitrages auch gerne als Video an:
Manchmal gibt es eben Umstände, die dafür sorgen, dass man nicht wie gewohnt arbeiten kann.
(Eine kleine Runde Mitleid ist an dieser Stelle durchaus angebracht).
Spaß beiseite.
Aber was nunmal kein Spaß ist: Es gibt diese Umstände, die dich auf den ersten Blick vor unternehmerischem Fortschritt abhalten. Und daher bin ich froh, dass ich mittlerweile endlich verstanden habe, was ich dir heute zeigen möchte.
Die heutige “Problematik” dreht sich darum, dass wir in unserer Hustle-Culture geprägten Denkweise häufig nicht mehr in der Lage dazu sind, Zyklen zu Ende zu fahren.
Dass wir vergessen haben, dass nach der Saat im Frühling, der harten Arbeit im Sommer die Ernte im Herbst und die Erholung im Winter folgt.
So kommt es, dass wir ständig von Idee zu Idee hetzen. Hier und dort Vollgas geben. Dann direkt zum nächsten “Shiny Object” springen.
Und das am besten alles gleichzeitig.
Sehen wir uns dafür die Trainingslehre an. Anhand dieser lässt sich das Thema wie ich finde am besten erklären.
Genauer gesagt, anhand des Konzepts der Superkompensation.
Ein häufiger Irrglaube im Kontext von athletischer Entwicklung ist, dass man immer hart trainieren muss.
So kommt es, dass die Greenhorns im Fitnessbereich meist jeden Tag all out gehen. Sich muskulär aus dem Leben nehmen.
Dann mag zwar Anfangs viel weitergehen - jedoch nur deswegen, weil bisher kein Stück trainiert wurde. Und dann ist ganz egal was man macht - es wird immer funktionieren.
Profiathleten hingegen trainieren ganz anders. Sie haben verstanden, dass Fortschritt nicht in den Belastungsphasen - sondern in den Erholungsphasen entsteht.
Genau hier kommt nämlich das Phänomen der Superkompensation zum Ausdruck.
Belastest du deinen Muskel, wird dieser erstmal schwächer. Logisch - du fühlst dich müde.
In der Erholung erlangt der Muskel nicht nur die alte Stärke wieder, sondern er wird ein bisschen stärker um sich auf die nächste Belastung vorzubereiten. Er Super-Kompensiert.
Trainierst du immer wieder in diese Erholungsphase hinein, erscheint es logisch, dass du nicht stärker - sondern im worst-case sogar schwächer wirst. (Vereinfacht dargestellt zumindest).
Die Parallelen zu unternehmerischer Entwicklung sind großartig - daher liebe ich diese Metapher auch:
- Am Anfang gibst du Gas. Stößt gleichzeitig in alle möglichen Richtungen. Und es geht vorwärts. Aber nur, weil du davor nichts gemacht hast.
- Irgendwann kommt der Punkt, an dem mehr Input nicht zu mehr Output führt - und so musst du den Dingen Zeit geben, bis sie zu wirken beginnen.
Den Kunden, den du vor 2 Tagen kontaktiert hast.
Die Marketingkampagne, die du vor 2 Wochen begonnen hast.
Die Partnerschaft, die du seit 2 Monaten verfolgst.
Die Zielgruppe, die du vor 2 Jahren begonnen hast zu bespielen.
All diese Dinge sind bereits angestoßen.
Und bevor du jetzt wieder alles hinterfragst, eine neue Marketingkampagne planst, neue Partnerschaften suchst, neue Zielgruppen definierst: Versuche viel eher die gesäten Samen zu pflegen.
Ansonsten läufst du Gefahr, dass du wie bei einem Muskel immer mehr Belastungen aneinanderreihst - und deinen eigenen Fortschritt limitierst.
Wahre Stärke beweist sich nicht im blinden Aktionismus, sondern in der Fähigkeit, die Stille zwischen den Taten auszuhalten.
(Ich denke, der Satz kommt von Dr. Christian Zippel - bin mir aber nicht ganz sicher.)
Gerade im Kontext unseres Leanpreneur Denkens rund um schlanke, effiziente und zielgerichtete Entwicklung ist folgende Betrachtung noch hilfreich:
Im Business versuchen wir oft, die Ernte zu erzwingen, indem wir noch mehr Samen säen. Aber mehr Samen bedeuten nicht schnelleres Wachstum, sondern nur mehr Konkurrenz um dieselben Ressourcen im Boden.

Meist erntest du in diesem Moment gerade das, was du vor 6 Monaten gesät hast - zumindest deckt sich dies mit meiner Wahrnehmung sehr gut.
So übersiehst du in Zukunft nie wieder deine Ernte:
1. Die Belastungs-Analyse (Input-Phase)
Identifiziere, welche Samen du bereits gesät hast. Welche Marketingkampagne läuft? Welcher Outreach ist draußen? Bevor du etwas Neues startest, mach eine Bestandsaufnahme des Bestehenden.
2. Stille aushalten (Erhaltungs-Phase)
Definiere feste Zeiträume, in denen „neue Ideen“ verboten sind. Verpflichte dich, eine Strategie für mindestens X Monate durchzuziehen, ohne das Fundament zu hinterfragen. Gib dem System Zeit zum Super-Kompensieren.
3. Pflege statt Neuplanung (Wartungs-Phase)
Statt eine neue Zielgruppe zu suchen, optimiere die Ansprache der aktuellen. Statt ein neues Produkt zu erfinden, schleife den Sales-Prozess des bestehenden. Anders formuliert: Pflege den Boden, statt ständig den Acker zu wechseln.
4. Die bewusste Ernte (Output-Phase)
Lerne, den Erfolg zu erkennen, wenn er eintritt. Oft merken wir gar nicht, dass die Superkompensation gegriffen hat, weil wir schon drei Projekte weiter sind. Halte inne und schöpfe den Wert ab, den du geschaffen hast.
Und so wirst du nach und nach merken, dass sich Erfolg einstellt.
Nicht OBWOHL du weniger aktiv in den Prozess eingreifst.
Sondern genau DESWEGEN.
Und heute möchte ich mit einem eigenen Zitat enden:
Manchmal ist der beste Move keinen nächsten Move zu planen.












